Die goldene Generation

So  erfolgreich war der Ruder-Nachwuchs aus Schleswig-Holstein noch nie: Bei der U19-Weltmeisterschaft holen alle sieben Starter eine Medaille, darunter vier goldene.

Frieda Hämmerling und Annemieke Schanze jubeln bei der Siegerehrung der Junioren-Weltmeisterschaften 5. bis 8. August 2015 in Rio de Janeiro

Frieda Hämmerling und Annemieke Schanze jubeln über die Goldmedaille im Doppelzweier. Foto: Deutscher Ruderverband/Seyb

Als der Lufthansa-Flieger aus Rio de Janeiro am Montag (11.8.) um 16:53 Uhr vorzeitig in  Hamburg-Fuhlsbüttel landete, waren einige Passagiere noch von der großen Abschlussparty am Zuckerhut, vom langen Flug aus Übersee und nicht zuletzt vom Jetlag arg gerädert. Doch  spätestens, als die „glorreichen Sieben“ bei ihrer Rückkehr aus Brasilien ihre mit Plakaten und Fähnchen ausgestatteten Familien sahen, setzten die erfolgreichen Teilnehmer der U19-Weltmeisterschaft der Ruderer wieder ihr breites Grinsen auf, das sie seit den Finalläufen am Sonnabend in der Lagoa Rodrigo de Freitas auf ihren Gesichtern hatten… 


4x Gold, 1x Silber und 1x Bronze für Schleswig-Holstein

Von den fünf deutschen Gold-, vier Silber- und zwei Bronzemedaillen holten die sieben Schleswig-Holsteiner aus den Stützpunkten Ratzeburg und Lübeck vier goldene, eine silberne und eine bronzene. „Nach den Vorläufen hatte ich schon mit ein, zwei Medaillen gerechnet“, meinte Landestrainer Björn Lötsch. Nach den Finalrennen, die er auf seinem Tablet live verfolgt hatte, war der daheimgebliebene Lübecker völlig aus dem Häuschen: „Das Ergebnis ist sensationell, einfach der Wahnsinn! So etwas werden wir wohl nie wieder erleben“, meinte er mit Blick auf die goldene Generation.

Ratzeburger Sportinternatler am erfolgreichsten

Erfolgreich wie nie zuvor waren die fünf von „Goldfinger“ Marc Swienty trainierten Ratzeburger Sportinternatler: Gold im Doppelzweier holten die in dieser Saison ungeschlagenen Annemieke Schanze (Ratzeburger RC) und Frieda Hämmerling (RG Germania Kiel), die die Favoritenbürde aushielten und sich ihren Traum vom Titel verwirklichten. Silber im Vierer ohne Steuerfrau gewann Paula Vosgerau (Lübecker RG), während ihr LRG-Kollege Jan Ole Muchow im Vierer mit Steuermann ebenso Weltmeister wurde wie das „Teamküken“ Marieluise Witting (Ratzeburger RC) im Achter.

 

Fotos: Deutscher Ruderverband/Seyb – www.rudern.de

Start-Ziel-Sieg des Doppelvierers

Zwei weitere Medaillen für Schleswig-Holstein steuerten Katharina Börms (Lübecker FRK) mit ihrem umjubelten Start-Ziel-Sieg im Doppelvierer bei, während auch Lars Höpken in Brasilien noch ein Happy End feiern konnte: In den vier Wochen der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung in Berlin war der Lübecker nur Ersatzmann, ehe seine Stunde am letzten Tag doch noch schlagen sollte: Nachdem Alexander Vollmer aus medizinischen Gründen am Morgen passen musste, rutschte Höpken in den Achter, mit dem er schließlich Bronze gewann.

Abschied aus dem U19-Jahrgang

Während Annemieke Schanze und Frieda Hämmerling sich mit WM-Gold aus dem U19-Jahrgang verabschieden und sich künftig für das U23-Nationalmannschaft empfehlen möchten, müssen die goldenen Zeiten für die Lübecker und Ratzeburger noch nicht vorbei sein. Marieluise Witting ist erst 16 Jahrealt. Erfolgscoach Swienty hatte der jüngsten Starterin in Rio zwar vor Saisonbeginn den Sprung in die Nationalmannschaft zugetraut, nicht aber unbedingt, dass sie gleich vom ersten internationalen Wettkampf mit einem WM-Titel zurückkehren würde. Dass man es aus Ratzeburg zum Olympiasieg schaffen kann, hat Lauritz Schoof 2012 in London bewiesen. Und für die Lübecker ist aktuell Maximilian Munski aus dem Deutschland-Achter das Vorbild für die neue Generation, die auch eine goldene werden kann.

Text: Lübecker Nachrichtten 10. August 2015